Unternehmenswert berechnen: Der praktische Ratgeber für Schweizer KMU
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Wer den Unternehmenswert berechnen möchte, steht vor einer der anspruchsvollsten Aufgaben im unternehmerischen Alltag. Ob Firmenverkauf, Nachfolgeplanung oder Einstieg eines Investors – die Berechnung des Unternehmenswerts bildet die Grundlage jeder fundierten Entscheidung. Dieser Ratgeber erklärt, welche Methoden es gibt, wie Sie systematisch vorgehen und welche Fehler Sie unbedingt vermeiden sollten.
Trown Partners AG begleitet Schweizer Unternehmer beim Kauf und Verkauf von KMU. Die Erfahrungen aus zahlreichen Transaktionen zeigen: Eine sorgfältige und methodisch korrekte Unternehmensbewertung ist kein bürokratischer Akt, sondern das Fundament eines erfolgreichen Unternehmensverkaufs.
Was ist der Unternehmenswert?
Der Unternehmenswert – auch Firmenwert oder Verkehrswert genannt – bezeichnet den monetären Wert eines Unternehmens zu einem bestimmten Zeitpunkt. Er spiegelt wider, was ein informierter Käufer unter normalen Marktbedingungen bereit wäre, für das Unternehmen zu bezahlen. Dabei handelt es sich nicht um eine fixe Grösse, sondern um einen Wertekorridor, der von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird.
Wichtig ist die Unterscheidung: Der Unternehmenswert ist nicht identisch mit dem Kaufpreis. Der Kaufpreis entsteht erst in der Verhandlung zwischen Käufer und Verkäufer und wird von Angebot und Nachfrage, strategischen Interessen und der Verhandlungsposition beider Parteien geprägt. Der Unternehmenswert hingegen liefert die sachliche Grundlage für diese Verhandlung.
Anlässe für eine Unternehmensbewertung
Es gibt zahlreiche Situationen, in denen es notwendig oder sinnvoll ist, den Unternehmenswert zu berechnen:
- Unternehmensverkauf: Beim Firmenverkauf ist eine belastbare Bewertung unerlässlich, um einen fairen Verkaufspreis zu erzielen und den Verkaufsprozess professionell zu gestalten.
- Unternehmensnachfolge: Ob familienintern oder an externe Nachfolger – die Unternehmensnachfolge erfordert eine klare Wertermittlung als Basis für Finanzierung und Vertragsgestaltung.
- Investorensuche: Wer Eigenkapital aufnehmen möchte, muss potenziellen Investoren zeigen können, wie der Wert des Unternehmens begründet ist.
- Scheidung oder Erbschaft: Rechtliche Auseinandersetzungen verlangen häufig eine gutachterliche Feststellung des Firmenwerts.
- Strategische Planung: Auch ohne unmittelbaren Transaktionsanlass ist die regelmässige Bewertung ein nützliches Steuerungsinstrument.
Die drei Säulen der Unternehmensbewertung
Jede seriöse Unternehmensbewertung basiert auf drei grundlegenden Perspektiven, die zusammen ein vollständiges Bild ergeben.
Substanzwert: Was das Unternehmen besitzt
Der Substanzwert erfasst die vorhandenen Vermögenswerte abzüglich der Verbindlichkeiten. Er umfasst das Anlagevermögen, Vorräte, Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände, abzüglich des Fremdkapitals. Beim Substanzwertverfahren werden auch stille Reserven und latente Steuern berücksichtigt, was die Berechnung komplex machen kann.
Der reine Substanzwert sagt jedoch wenig darüber aus, wie profitabel das Unternehmen in Zukunft sein wird. Deshalb bildet er meist nur eine von mehreren Perspektiven.
Ertragswert: Was das Unternehmen verdient
Der Ertragswert ist in der Praxis die wichtigste Kenngrösse, wenn es darum geht, den Unternehmenswert zu berechnen. Er zeigt, welchen Wert die zukünftigen Erträge des Unternehmens für einen Investor darstellen. Grundlage ist das nachhaltig erzielbare Betriebsergebnis, das mit einem Kapitalisierungszinssatz auf den heutigen Barwert abgezinst wird. Der Kapitalisierungszinsfuss berücksichtigt dabei das Risiko des Unternehmens sowie alternative Anlagemöglichkeiten. Wie sich der Ertragswert Schritt für Schritt berechnen lässt, zeigt unser Ratgeber «Ertragswert berechnen».
Marktwert: Was der Markt bezahlt
Der Marktwert orientiert sich an tatsächlich bezahlten Preisen für vergleichbare Unternehmen. Diese sogenannte Vergleichswertmethode nutzt Transaktionsdaten aus dem Markt und ist besonders aussagekräftig, wenn ausreichend Vergleichsdaten vorhanden sind. Bei nicht börsennotierten Unternehmen – also den meisten KMU – sind diese Daten jedoch oft schwer zugänglich.
Die wichtigsten Bewertungsmethoden im Überblick
Es gibt verschiedene Methoden, um den Firmenwert zu berechnen. Die Wahl der geeigneten Bewertungsmethode hängt von der Art des Unternehmens, dem Bewertungsanlass und den verfügbaren Daten ab.
- Ertragswertmethode: Beim Ertragswertverfahren wird der nachhaltig erzielbare Reingewinn (das Betriebsergebnis nach kalkulatorischem Unternehmerlohn, Zinsen und Steuern) mit dem Kapitalisierungszinssatz kapitalisiert. Diese Bewertungsmethode ist in der Schweiz bei KMU besonders verbreitet und bildet die zukünftigen Erträge realistisch ab.
- Discounted-Cashflow-Methode (DCF): Die DCF-Methode diskontiert die erwarteten Free Cashflows der kommenden Jahre auf den heutigen Barwert. Die Discounted-Cashflow-Methode gilt als methodisch besonders solide, erfordert aber detaillierte Planungsrechnungen und ist damit aufwendiger in der Anwendung.
- Multiplikatorenmethode: Beim Multiplikatorenverfahren – auch Multiples genannt – wird das Betriebsergebnis (in der Regel EBIT oder EBITDA) mit einem branchenüblichen Multiplikator multipliziert. Multiplikatoren werden aus vergleichbaren Unternehmen abgeleitet und ermöglichen eine schnelle Orientierung. Für die Bewertung von KMUs bieten hingegen die Multiplikatoren börsenkotierter Unternehmen keine verlässliche Grundlage, da diese aufgrund ihres Grössen- und Risikoprofils deutlich höher bewertet werden als KMUs.
- Substanzwertmethode: Das Substanzwertverfahren bewertet die Vermögensgegenstände und zieht das Fremdkapital ab. Es eignet sich vorwiegend bei vermögensintensiven Unternehmen oder wenn die Fortführung nicht gesichert ist (Liquidationswert).
- Praktikermethode: Die Praktikermethode ist in der Schweiz weit verbreitet und kombiniert Ertragswert und Substanzwert in einem gewichteten Mittel. Typischerweise wird der Ertragswert doppelt, der Substanzwert einfach gewichtet. Diese Vorgehensweise spiegelt sowohl die Vermögenslage als auch die Ertragskraft wider.
Faktoren, die den Unternehmenswert beeinflussen
Bei der Berechnung des Unternehmenswertes geht es nicht nur um Zahlen aus dem Jahresabschluss. Eine Vielzahl qualitativer und quantitativer Faktoren beeinflusst die Ermittlung des Unternehmenswerts:
- Ertragskraft: Planbare Betriebsgewinne und stabile Cashflows erhöhen den Wert. Einmalige Sondereffekte müssen bereinigt werden.
- Marktposition: Unternehmen mit starker Marktstellung, treuen Kunden und klaren Wettbewerbsvorteilen erzielen höhere Bewertungen.
- Know-how und Humankapital: Spezialisiertes Know-how, gut ausgebildete Mitarbeitende und eine erfahrene Führungsmannschaft steigern den Firmenwert erheblich.
- Kundenstruktur: Eine breite Kundenbasis mit geringer Abhängigkeit von Einzelkunden reduziert das Risiko und wirkt sich positiv auf den Risikozuschlag im Kapitalisierungszinssatz aus.
- Branche und Wachstum: Wachstumsstarke Branchen werden höher bewertet. Multiplikatoren für mittelgrosse Unternehmen variieren je nach Sektor erheblich.
- Abschreibungen und stille Reserven: Hohe Abschreibungen können den Ertragswert verzerren. Stille Reserven im Anlagevermögen hingegen steigern den Substanzwert.
- Betriebsnotwendiges Vermögen: Nur betriebsnotwendige Vermögenswerte fliessen in die Ertragsbewertung ein. Nicht betriebsnotwendige Liegenschaften oder Wertschriften werden separat bewertet.
Schritt für Schritt: Unternehmenswert berechnen
Der Unternehmenswert lässt sich nicht mit einer einzigen Formel berechnen. Wer strukturiert vorgeht, kommt jedoch zu einem verlässlichen Wertekorridor – also einer realistischen Spanne, innerhalb derer der Wert des Unternehmens liegt. Die folgenden Schritte zeigen, wie das in der Praxis funktioniert.
Schritt 1: Finanzkennzahlen aufbereiten
Grundlage jeder Bewertung sind bereinigte Zahlen. Das bedeutet: Einmalige sowie nicht betriebsnotwendige Erträge und/oder Aufwendungen (z.B. Privataufwendungen) werden herausgerechnet, nicht betriebsnotwendiges Vermögen separat erfasst und der Unternehmerlohn marktgerecht angesetzt. Nur so spiegeln die Zahlen die echte Ertragskraft des Unternehmens wider.
Schritt 2: Bewertungsmethode wählen
Je nach Unternehmenstyp und Bewertungsanlass eignen sich unterschiedliche Methoden. Für die meisten KMU empfiehlt sich eine Kombination aus Ertragswertverfahren und Multiplikatorverfahren, da beide die Ertragskraft ins Zentrum stellen.
Für wachstumsstarke Unternehmen oder solche mit unregelmässigen Cashflows bietet sich das DCF-Verfahren (Discounted Cashflow) an. Dabei werden zukünftige Cashflows auf den heutigen Wert abgezinst. Da die DCF-Methode etwas komplexer ist, erklären wir sie in einem separaten Artikel im Detail.
Schritt 3: Bewertungsparameter festlegen
Nun werden die zentralen Stellschrauben definiert:
- Kapitalisierungszinssatz (beim Ertragswertverfahren): Wie hoch ist das unternehmerische Risiko?
- Planungshorizont (beim DCF): Wie viele Jahre werden projiziert, typischerweise 3–5 Jahre?
- Multiplikator (beim Multiplikatorverfahren): Welcher branchenübliche Faktor gilt?
Diese Parameter haben grossen Einfluss auf das Ergebnis und sollten sorgfältig begründet werden.
Schritt 4: Berechnung durchführen
Mit den bereinigten Zahlen und den festgelegten Parametern wird der Wert nun für jede gewählte Methode berechnet. Wer zwei oder drei Methoden parallel anwendet, erhält verschiedene Resultate – das ist gewollt und der Ausgangspunkt für den nächsten Schritt.
Schritt 5: Wertekorridor ableiten und plausibilisieren
Die Ergebnisse der verschiedenen Methoden werden zusammengeführt. Daraus ergibt sich ein Wertekorridor – beispielsweise 1.9 bis 2.2 Mio. CHF. Dieser Korridor ist aussagekräftiger als ein einzelner Fixwert, weil er die unvermeidliche Unsicherheit jeder Prognose ehrlich abbildet. Abschliessend wird das Ergebnis auf Plausibilität geprüft: Stimmt der Wert mit vergleichbaren Transaktionen in der Branche überein?
Rechenbeispiel: Unternehmenswert berechnen mit der Praktikermethode
Nehmen wir an, ein Schweizer Maschinenbauunternehmen mit 15 Mitarbeitenden erzielt einen durchschnittlichen EBIT von 480’000 CHF pro Jahr. Nach Steuern verbleibt ein nachhaltiger Reingewinn von rund 400’000 CHF. Das Unternehmen weist keine wesentliche Nettoverschuldung auf; der Substanzwert (Eigenkapital, bereinigt um stille Reserven) beträgt 1’200’000 CHF. Der Kapitalisierungszinssatz wird auf 18% festgelegt, was einem Risikozuschlag für ein mittelgrosses, inhabergeführtes KMU entspricht.
Ertragswert: 400’000 / 0.18 = 2’222’222 CHF
Berechnung nach Praktikermethode: (2 × 2’222’222 + 1 × 1’200’000) / 3 = 1’814’815 CHF
Zur Plausibilisierung: Ein branchenüblicher EBIT-Multiplikator von 4 bis 6 ergibt einen Marktwert von 1’600’000 bis 2’000’000 CHF. Das Ergebnis der Praktikermethode liegt also im erwarteten Korridor.
Dieses Beispiel zeigt: Die Berechnung des Unternehmenswerts ist keine exakte Wissenschaft, sondern ein Annäherungsverfahren. Unterschiedliche Methoden liefern unterschiedliche Ergebnisse, die zusammen einen realistischen Wert eingrenzen.
Best Practices bei der Berechnung des Unternehmenswerts
Wer seinen Unternehmenswert nicht nur berechnen, sondern auch erfolgreich verhandeln und verteidigen will, sollte einige bewährte Grundsätze kennen.
- Mehrere Methoden kombinieren: Verlassen Sie sich nie auf eine einzige Bewertungsmethodik. Verwenden Sie verschiedene Methoden und vergleichen Sie die Ergebnisse.
- Zahlen bereinigen: Einmalige Erträge, überhöhte Unternehmerlöhne oder private Ausgaben in der Buchhaltung müssen vor der Bewertung konsequent bereinigt werden.
- Zukunft im Blick behalten: Eine Bewertung, die nur auf historischen Zahlen basiert, greift zu kurz. Zukünftige Erträge, Marktentwicklungen und Wachstumspotenzial müssen einbezogen werden.
- Dokumentation pflegen: Alle Annahmen und Berechnungen sollten nachvollziehbar dokumentiert sein. Das schafft Transparenz und Vertrauen im Verkaufsprozess.
- Regelmässig aktualisieren: Unternehmenswerte verändern sich. Wer seinen Firmenwert regelmässig berechnet, ist jederzeit verhandlungsbereit.
Die häufigsten Fehler beim Berechnen des Firmenwerts
In der Praxis begegnen uns immer wieder die gleichen Stolpersteine, wenn Unternehmer versuchen, den Firmenwert selbst zu berechnen oder eine Bewertung zu beurteilen:
- Emotionale Überbewertung: Gründer und langjährige Inhaber neigen dazu, ihrem Unternehmen einen zu hohen Wert beizumessen. Der Markt bezahlt nur für realen wirtschaftlichen Nutzen – nicht für Erinnerungen oder geleistete Arbeit.
- Falscher Kapitalisierungszinssatz: Ein zu tiefer Kapitalisierungszinssatz führt zu einer Überbewertung. Der Risikozuschlag muss die realen Risiken des Unternehmens und des Unternehmensverkaufs realistisch abbilden.
- Keine Bereinigung der Ergebnisse: Wer Betriebsgewinne ohne Bereinigung verwendet, verzerrt die Bewertungsgrundlage. Abschreibungen, Sondereffekte und nicht betriebsnotwendige Aufwendungen müssen korrekt behandelt werden.
- Nur eine Methode verwenden: Wer ausschliesslich auf einen Unternehmenswertrechner oder eine einzige Formel setzt, riskiert ein verzerrtes Bild. Eine Plausibilisierung mit verschiedenen Methoden ist unerlässlich.
- Qualitative Faktoren ignorieren: Kundenbindung, Know-how, Mitarbeiterloyalität und Marktposition sind wertrelevant, erscheinen aber nicht direkt in den Jahresabschlüssen.
Wann professionelle Hilfe beim Berechnen des Unternehmenswerts sinnvoll ist
Eine erste Einschätzung lässt sich mit einem Unternehmenswertrechner oder einfachen Faustformeln gewinnen. Sobald aber eine Transaktion, eine rechtliche Auseinandersetzung oder eine Nachfolge konkret wird, reicht eine vereinfachte Selbstbewertung nicht mehr aus. Spätestens dann empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen M&A-Berater oder Bewertungsspezialisten.
Trown Partners AG unterstützt Unternehmer in der gesamten Schweiz dabei, den Wert eines Unternehmens fundiert zu ermitteln und diesen im Verkaufsprozess oder bei einer Unternehmensnachfolge optimal zu positionieren. Wir kennen die relevanten Branchenmultiplikatoren, haben Zugang zu aktuellen Vergleichsdaten und begleiten Sie vom ersten Gespräch bis zum erfolgreichen Abschluss.
Fazit
Den Unternehmenswert zu berechnen, ist mehr als eine rechnerische Übung. Es ist ein strategischer Prozess, der fundiertes Wissen, saubere Daten und eine realistische Einschätzung des Marktes voraussetzt. Ob Ertragswertverfahren, DCF-Methode oder Praktikermethode – jede Bewertungsmethode hat ihre Stärken und Grenzen.
Für Schweizer KMU ist die Multiplikatoren-Methode oft ein guter Ausgangspunkt. Sie ist relativ einfach anzuwenden, ist nachvollziehbar und liefert rasch einen orientierenden Firmenwert. Für komplexere Situationen ist die DCF-Methode vorzuziehen.
Letztlich gilt: Ein realistischer Wert, der gut begründet und nachvollziehbar dokumentiert ist, schafft Vertrauen – bei Käufern, Investoren, Nachfolgern und Finanzierungspartnern. Das ist die Basis für jede erfolgreiche Transaktion.
FAQ – Häufige Fragen zum Thema “Unternehmenswert berechnen”
Welche Kennzahlen sind für die Unternehmensbewertung relevant?
Die wichtigsten Kennzahlen sind EBIT (Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern), EBITDA (vor Abschreibungen), der Free Cashflow sowie der Substanzwert. Ergänzend werden der Umsatz, die Eigenkapitalquote, das Fremdkapital und die Entwicklung der Betriebsergebnisse der letzten Jahre analysiert. Qualitative Faktoren wie Kundenbindung, Know-how und Marktstellung fliessen ebenfalls in eine vollständige Unternehmensbewertung ein.
Was sind Multiplikatoren in der Unternehmensbewertung?
Multiplikatoren – auch Multiples genannt – sind branchenübliche Faktoren, mit denen eine Ertragskennzahl multipliziert wird, um den Unternehmenswert abzuschätzen. Ein Multiplikator von 5 auf den EBIT bedeutet, dass der Markt bereit ist, das Fünffache des jährlichen Betriebsgewinns zu bezahlen. Multiplikatoren werden aus Transaktionsdaten vergleichbarer Unternehmen der gleichen Branche abgeleitet. Sie ermöglichen eine schnelle Einschätzung, ersetzen aber keine vollständige Bewertung.
Was gehört zu einer Unternehmensbewertung?
Eine vollständige Unternehmensbewertung umfasst die Analyse der Jahresabschlüsse der letzten drei bis fünf Jahre, die Bereinigung der Ergebnisse, die Wahl und Anwendung geeigneter Bewertungsmethoden, die Ermittlung des Substanzwerts (inkl. stiller Reserven und latenter Steuern) sowie eine qualitative Beurteilung von Marktposition, Kundenstruktur, Mitarbeitenden und Know-how. Abschliessend wird das Ergebnis mit Marktdaten und Multiplikatoren plausibilisiert.
Wie lange ist eine Unternehmensbewertung gültig?
Eine Unternehmensbewertung hat keine fixe Gültigkeitsdauer. Sie spiegelt den Wert des Unternehmens zu einem bestimmten Stichtag wider. Verändern sich die wirtschaftliche Lage, die Ergebnisse, die Zinsen oder das Marktumfeld wesentlich, verliert die Bewertung an Aktualität. In der Praxis empfiehlt es sich, eine Bewertung für konkrete Transaktionen nicht älter als zwölf bis achtzehn Monate zu verwenden und bei wesentlichen Veränderungen zu aktualisieren.
Was ist der Unterschied zwischen Unternehmenswert und Kaufpreis?
Der Unternehmenswert ist das Ergebnis einer methodischen Bewertung und bildet die sachliche Grundlage für eine Transaktion. Der Kaufpreis hingegen ist das Resultat der Verhandlung zwischen Käufer und Verkäufer. Er kann vom berechneten Unternehmenswert abweichen – nach oben, wenn mehrere Kaufinteressenten vorhanden sind oder der Käufer strategische Vorteile sieht, oder nach unten, wenn die Verhandlungsposition des Verkäufers schwach ist. Der Unternehmenswert liefert also den Rahmen, der Kaufpreis entsteht im Markt.
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